Aufgeräumt! Woche 11: Geschenke & Sentimentales

Hallo ihr Lieben, habt ihr letzte Woche das Aussortieren der emotional aufgeladenen Kategorie „Fotos“ noch gut über die Bühne gebracht?
Ich habe mich sehr über eure ganzen Rückmeldungen hier und hier gefreut, wie ihr mit eurer Fotoaufbewahrung umgeht!

Diese Woche geht es noch einmal mit einer nicht ganz so simplen Kategorie weiter. Danach wird es auf die letzten Meter des Aufräumfestes etwas ruhiger und kaum zu glauben, das Ende steht tatsächlich bald und pünktlich zum guten Wetter vor der Tür!

Diese Woche geht es also an das Ausmisten von Geschenke und sentimentalen Aufhebseln. (Meine Wortkreation für Dinge, die man aufhebt) Uiuiui.
Dann wollen wir doch mal schauen, was wir damit machen können, damit es uns damit (endlich) gut geht. Los geht´s!

Aufgeräumt Woche 11 Geschenke und Sentimentales

Geschenke & Sentimentales – was gehört alles zur Kategorie?

 

Wir suchen auch diese Woche zunächst alles zusammen, was zur dieswöchigen Kategorie gehört:

  • Geschenke aller Art
  • Sentimentales aller Art, das können zum Beispiel sein:
  • Gemalte Bilder & Gebasteltes von den Kindern
  • Alte Ausbildungsabschlussnachweise
  • Notizbücher, Tagebücher & Briefe
  • Sammlungen aller Art & Sachen „für alle Fälle“

Da diese Kategorie bei allen anders aussehen kann, stellen das nur Anregungen dar.

Zu meinen sentimentalen Aufhebseln gehören zum Beispiel noch

  • Ein ca. 15 Jahre alter Pullover, den ich beim besten Willen bald nicht mehr anziehen kann (Löcher) und will (im wahrsten Sinne des Wortes „herausgewachsen“, und meine hier den Stil).
  • Ein Paar goldene Schuhe, die ich abgetragen habe, bis sie Löcher hatten und die ich im ersten gemeinsamen Urlaub mit meinem Freund in Paris gekauft habe (ich romantisches Fashion victim); genauer gesagt habe ich nicht die Schuhe selber aufgehoben, sondern ein Foto von ihnen, welches ich vor dem Wegwerfen  gemacht und immer noch habe (wie man ja sieht).
  • Rosa Zettelchen von Mutter, auf die sie mir kurze liebe Botschaften geschrieben hat und wovon ich immer eins in meinem Portemonnaie mit mir herum trage.
  • Briefe von Freunden und meinem Vater, die mich immer noch zum Lachen bringen oder deren liebevolle Worte mir immer noch gut tun.

Ihr seht, da kann 1. einiges zusammenkommen und 2. das Aussortieren aufgrund der Erinnerungsarbeit, die uns diese Kategorie abverlangt, einiges an Zeit diese Woche „kosten“.

Wie sortiert man sentimentale Sachen aus?

Betrachtungsweise ändern

Ich persönlich finde, es geht gar nicht darum, möglichst viel zu entsorgen. Vielmehr geht es darum, genau und nur das zu behalten, was einem Freude bereitet und einem ein gutes Gefühl gibt.

Manche Aufhebsel verbreiten jedoch ein schlechtes Gewissen, wie zum Beispiel ungewollte Geschenke, die man lediglich aus einem schlechten Gewissen heraus aufhebt.

Oder sie verursachen einem bei jedem Anblick ein schlechtes Gefühl, weil sie für eine Vergangenheit stehen, von der man sich vielleicht eigentlich schon gedanklich und gefühlt abgenabelt hat. Der letzte Schritt jedoch, das physikalische Durchtrennen „der Nabelschnur“ (um mal beim Bild zu bleiben), wofür das Aussortieren der Erinnerungsträger sinnbildlich stehen kann, wurde noch nicht vollzogen.

Betrachtet man das Aussortieren aus dieser Perspektive, fällt einem das Trennen vielleicht leichter. Es gibt einem so die Möglichkeit, die eigene Vergangenheit „in Ordnung bringen“, sich mit ihr zu versöhnen und sie durch das, was man behält, gezielt nach seinen Vorstellungen zu „formen“. Das kann letztlich auch ein weiter gehen im Leben ermöglichen.

Natürlich ließe sich das auch als kleine „Manipulation“ verstehen. Ich denke jedoch, solange es einem gut tut, warum sollte man sich da immer selber quälen?

Umzugshelfer spielen

Generell hilft mir immer, wenn ich die Dinge nicht wegschmeiße, sondern sie spende, verschenke oder auf Reisen schicke. So habe ich die Gewissheit, dass die Sachen weiter bestehen und noch jemand anderem Freude bereiten und von Nutzen sein können. Das lässt mich mich einfacher und ohne schlechtes Gewissen von den Dingen trennen.

Abschied nehmen ermöglicht Abschied nehmen

Auch kann es hilfreich sein, sich richtig zu Verabschieden und vielleicht sogar noch mal ausgiebig eine Runde in Erinnerungen zu schwelgen und sich für die gemeinsame Zeit zu bedanken. Denn irgendwann kommt beim Schwelgen in Erinnerungen immer der Punkt, an dem man entweder loslassen kann oder sich bewusst dafür entscheidet, die Sachen doch noch eine Zeitlang aufzuheben. Und mit dieser klaren Entscheidung kehrt Ruhe ein.

Durch die Hintertür

Fotos von den Dingen zu machen, von denen man sich eigentlich gerne trenne möchte, es aber irgendwie nicht schafft, kann auch eine Möglichkeit sein. Allerdings habe ich festgestellt, dass das nicht für alle Dinge gleichermaßen gut funktioniert. Leider hilft hier nur ausprobieren, vielleicht zunächst mit Sachen, an denen man nicht allzu sehr hängt. Und das mit den Fotos bitte nicht ausarten lassen, das wäre ansonsten ziemlich kontraproduktiv. ;)

goldene Schuhe by TOC

Auf vier Ecken beschränken

Bereits im letzten Beitrag meiner Aufgeräumt Serie habe ich die Beziehungskiste erwähnt, in der ich ausgesuchte Erinnerungsstücke von gemeinsamen Erlebnissen unsere Beziehung sammele. Genauso wie meine persönliche Kiste, in der ich alten Fotografien und Erinnerungsstücke aus meinem eigenen Leben aufbewahre.
Solche Kisten können helfen, die Auswahl an Aufhebseln zu beschränken, ihnen gleichzeigt einen festen Platz zuzuordnen, der vielleicht auch öfter mal zum drin rum kramen einlädt.

Die Zeit heilt alle Wunden

Und manchmal ist die Zeit einfach noch nicht reif für einen Abschied. Und es braucht noch ein bisschen, bis man abschließen und sich in Frieden trennen kann. Diese Zeit sollte man sich auf jeden Fall zugestehen.

Natürlich gibt es nach diesen allgemeinen Trennungstipps von mir auch noch ein paar

Harte Fakten: konkrete Trennungsszenarien

Gemaltes oder Gebasteltes von Kindern

Ausgewählte Bilder können in einem Ordner aufgehoben werden, den man regelmäßig und vielleicht auch gemeinsam mit den Kindern durchblättern kann. Oder aber ihr wählt einen Bilderrahmen (pro Kind) aus, in dem das schönste Bild in einer Art „Wechselausstellung“ gezeigt und so lange behalten wird, bis ein neues „Kunststück“ ausgestellt werden soll.

Gebastelte Werke können entweder fotografiert und die Fotos ebenso wie Bilder entweder in einem Ordner oder einer Mappe aufbewahrt werden. Oder aber ihr stellt die Kunstwerke auch eine Zeitlang in einer Art Ausstellung aus.

Notizbücher, Tagebücher & Briefe

Ich persönlich hebe weder alte Notizbücher noch Tagebücher auf. Ich reiße einzelne Seiten mit mir wichtigen Inhalten aus (bis ich sie eines Tage dann doch entsorge) oder aber scanne sie ein.
Das mache ich ganz umstandslos mit der kostenlosen Android App „Genius Scan“, die das Fotografierte in PDF umwandeln kann.
Gescanntes hebe ich nicht noch zusätzlich in Papierform auf!

Bei Briefen und Karten etc. habe ich es so gehandhabt, dass ich meistens je Person eine Karte oder einen Brief aufhebe.
Auch hier könnte man sich überlegen, ob man die Sachen einscannt; für mich hängt jedoch auch viel an der Haptik, das heißt, für mich ist es bei manchen papiergebundenen Erinnerungen wichtig, sie auch anfassen zu können.

Alte Ausbildungsnachweise

Ich kenne so viele Menschen, die auch nach Jahrzehnten noch immer ihre Ausbildungsnachweise besitzen und sich nicht von dieser Zeit ihres Lebens trennen können. Ich gehöre übrigens zurzeit auch noch dazu. :D
Dies ist jedoch teilweise der Aufbewahrungsfrist meiner Abschlussarbeit geschuldet. Sobald diese Ende dieses Jahres abgelaufen ist, feiere ich nicht nur ein Schredderfest, sondern hebe ein paar ausgewählte Zeitzeugen aus, die für mich mehr Aussagekraft haben, als ein wahlloser, riesiger Haufen Papiere, deren Inhalte eher allgemeingültig sind.

Sammlungen aller Art & Sachen „für alle Fälle“

Ich selber besitze keinerlei Sammlung (außer ich bezeichne meine kleine Filofaxhorde als Sammlung…hm…),

Filofaxe by TOC

habe aber die Erfahrung in meinem Umfeld gemacht, dass hier die Zeit das „Problem“ auf-löst.
Scheinbar scheint irgendwann eine Sammlung komplett und damit auch das Sammeln beendet zu sein. Und es fällt überhaupt nicht schwer, die Sammlung abzugeben.
Oder aber es wird sich von einzelnen Teilen aus der Sammlung getrennt, um Platz für neue zu schaffen.

Mit den Sachen, die man für alle Fälle mal aufhebt – ganz ehrlich, wir wissen es insgeheim doch alle: diese Fälle werden nie kommen. Und sollten sie doch mal kommen, hat man garantiert nicht das passende Ersatzteil, das man dann braucht.
Gleiches gilt übrigens für Kleidung aus alten Jahrzehnten, die bestimmt mal irgendwann wieder in Mode kommt. Dieser bestimmte Kleidungsstil wird garantiert irgendwann mal wieder kommen – aber nicht in der original Form von Früher, sondern modern interpretiert. Und wer möchte dann in der „Faschingskistenversion“ rumlaufen?

Stofftiere

Das Trennen von Stofftieren fällt einem in der Tat so schwer, weil wir Menschen dazu neigen, alles, inklusive STOFFtieren, zu vermenschlichen (so zumindest meine Theorie). Dass StoffTIERE in der Regel auch noch Augen haben, macht das Ganze für uns nicht leichter. Heißt es doch so schön: Die Augen sind der Spiegel unserer Seele. Und genau das passiert mit „Sachen“, die Augen haben: Wir Menschen schreiben diesen Dingen eine Seele zu, geben ihnen meistens auch noch einen Namen und – zack, ist der Haufen Stoff für uns zu einer Art menschlichem Gefährten geworden. Und wer sortiert schon einen Kumpel oder eine Freundin aus?!

Stofftier by TOC
Ich werfe mal eine Hypothese in den Raum: Der Abschied von einem StoffDÖNER, der keine Augen hat, fällt uns mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich leichter, oder?
Wenn die Stoffdinge keine Augen haben, sehen sie eher wie das aus, was sie eigentlich sind: Objekte aus Stoff mit Wattefüllung.

Kondo empfiehlt, den Stofftieren oder Puppen oder was auch immer uns mit seinen Blicken fesselt, die Augen zu verbinden, wenn wir sie „entsorgen“ wollen. Nun, ich muss gestehen, das finde ich dann trotz meines Versuchs, die Sachen nicht zu vermenschlichen, irgendwie „grausam“.

Ihren Vorschlag hingegen, das Stofftier mit einer Portion groben Salz zu verabschieden, um „ihren Geist auf die Reise zu schicken“, empfinde ich als ein hilfreiches Abschiedsritual. Ein kleiner Abschiedsbrief kann auch helfen, so zumindest meine Erfahrung.

Ungewollte Geschenke

Das ist – wie ich finde – eine besonders sensible „Problematik“ / Kategorie, in der ich selber noch vieles besser machen kann.

Das „Problem“ mit Geschenken ist ja meistens das schlechte Gewissen, was einen vom Entsorgen abhält. Und die Erwartungshaltung der schenkenden Person, mit der beim nächsten Besuch ganz aufmerksam die Wohnung mit den Augen nach dem Geschenk abgesucht wird.

Liegt vielleicht genau darin die Kernproblematik? Das es eher um die Zufriedenheit der schenkenden Person geht und weniger darum, der beschenkten Person wirklich eine Freude zu bereiten? Ich weiß es abschließend nicht.
Jedoch müsste man in besonders hartnäckigen Fällen das Thema sensibel ansprechen, will man nicht ewig weiter „leiden“ und dem anderen etwas vormachen.
Je nachdem, wie die schenkende Person drauf ist, kann man versuchen, in einem klärenden Gespräch auf sensible Art zu verdeutlichen, was man sich statt der bislang unpassenden Sachen wünscht.
Und vielleicht auch mal in den sauren Apfel beißen, das Geschenk zurückgeben und um Umtausch o.ä. bitten.
Je nach Geschmack kann man natürlich auch mit seinem Umfeld vereinbaren, sich gar nichts mehr zu schenken.
Oder aber ganz konkret darauf hinzuweisen, was man sich wünscht.
Es vielleicht sogar selber zu kaufen oder einen konkreten Wunschzettel zu verfassen, von dem die Schenkenden dann auswählen können (so bewahrt man sich zumindest einen kleinen Überraschungseffekt).
Wie ihr seht: Bei dieser Kategorie ist ein breites Feld an persönlichen Befindlichkeiten mit im Spiel.

Da einem vom Entsorgen von Geschenken ja meistens das schlechte Gewissen abhält, ist mein Weg mittlerweile der wie schon oft beschriebene: Ich verschenke, spende oder schicke die Sachen auf Reisen. Damit können die Sachen noch ihren Nutzen erfüllen, nur eben bei jemandem, der sie auch wirklich zu schätze weiß und sich darüber freut.

Das Auseinandersetzen mit dieser Geschenkekategorie kann bei allen Schwierigkeiten, die man damit hat, aber auch zur Reflexion des eigenen Schenkverhaltens anregen.
Wer selber „gut“ schenken will, kann sich Mühe geben und das ganze Jahr über aufmerksam notieren, was die zu beschenkende Person für Interessen und Vorlieben äußert.

Ich persönlich liebe „Zeit“geschenke. Unternehmungen und Erlebnisse für einen alleine oder mit der schenkenden Person gemeinsam. Wer noch Anregungen dazu sucht, dem kann ich diesen Beitrag empfehlen.
Lasst euch nicht von dem saisonalen Titel des Beitrags irritieren – Zeit schenken hat immer Saison und die Vorschläge auch.
Außerdem gibt’s noch Tipps, damit aus den Gutscheinen nicht bloß ein bedrucktes Alibiegeschenk wird, sondern ein echtes Erlebnis.

Wie geht ihr mit unbeliebten Geschenken um?

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4 Comments

  • Reply
    analogMensch
    5. April 2016 at 21:56

    Ok, Briefe könnte ich niemals wegwerfen! Das ist für mich ein Stück Lebensgeschichte, und davon einfach etwas auszusortieren, das geht nicht! Besonders in der heutigen Zeit, wo alles so schnelllebig ist, dass es bald schon wieder verblasst. Ein Brief ist etwas zum in die Hand nehmen, persönliche Briefe sind Gold wert!

    Meine Notizbücher bleiben ebenso, allein wegen all den Sachen darin, die ich immer mal wieder brauche. Es sind jetzt auch eine Unsummen an Büchern, zumindest noch nicht. Also sammele ich sie fleißig.

    • Reply
      The Organized Cardigan
      6. April 2016 at 10:40

      Hallo du analoger Erinnerungen-Sammler ;)
      Hast du denn viele Briefe? Ich muss sagen: Ich habe auch gar nicht so viele Briefe. Wie sieht es denn mit Grußkarten bei dir aus? Behalten oder aussortieren?
      Ich bilde mir ein, einen gewissen Enthusiasmus und Freude in deinem „Also sammele ich sie fleißig.“ zu hören; das freut mich total! Genau darum geht es ja. :)

      • Reply
        analogMensch
        6. April 2016 at 20:10

        Also eine Kiste voll ist es schon. Und ja, Grußkarten sind auch mit dabei. Was diesen Punkt angeht, da bin ich wohl wirklich eher nostalgisch.

        • Reply
          The Organized Cardigan
          7. April 2016 at 12:33

          :)

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