Neujahrsvorsätze – was ist aus ihnen geworden?

Urlaubszeit ist Reflexionszeit –
Oder: Wenn deine Ziele schon lange vor dir in den Urlaub gefahren sind

Vielleicht habt ihr es schon gemerkt – mein Thema zur Jahresmitte scheint das Thema „Ziele setzen“ und vor allem „Ziele, die mich glücklich machen, setzen“ zu sein.
Urlaubsstimmung und die entspannte Sommeratmosphäre lassen bei mir immer so eine leichte Lais­ser-faire Stimmung aufkommen, in der ich wenig Lust auf „Muss“-Aufgaben habe und wesentlich mehr Lust auf „mich durch den Tag treiben lassen“ habe. Im Urlaub mache ich gerne nur noch Sachen, für die ich sonst „angeblich“ keine Zeit habe.
Und so kann es dann an einem lauen Sommerabend nach einem Tag voller Vergnügen vorkommen, dass ich mich frage, warum ich so eine schöne Zeit wie im Sommerurlaub nicht auch an den restlichen Tagen im Jahr habe.

Nicht dass mein Leben beklagenswert ist, ganz im Gegenteil! Nennen wir es an einigen Stellen einfach „optimierungswürdig“.
Und schwuppdiewupp nehme ich mir vor, das, was ich im Urlaub gerne mache, auch nach dem Urlaub weiter zu führen. Was ja erstmal nicht schlecht ist, allerdings kommt mir die Situation irgendwie bekannt vor… Da war doch was… vor gut sechs Monaten… Sylvester. Neujahrsvorsätze. Richtig.

Und nachdem wir jetzt alle beschämt auf den Boden geguckt haben, schauen wir jetzt nach einem halben Jahr noch mal gemeinsam auf unsere Neujahrsvorsätze und darauf, was aus ihnen geworden ist, bevor wir uns wieder neue vornehmen.

Was ist aus meinen Neujahrsvorsätzen für 2015 geworden?

Are Your Goals Already On Vacation by TOC

Ende Dezember letzten Jahres habe ich euch meine wohl geplanten Ziele für 2015 beschrieben. Mit dem Resultat, dass ich in einem Gespräch mit Eltern-Menschen auf die „Möglichkeit“ gestoßen bin, sich doch „einfach mal“ keine Ziele vorzunehmen.

Geschluckt, Panik verdrängt, Herausforderung angenommen.

Den letzten Satz dazu „Das klappt jetzt sowieso nicht mehr. Du hattest dir deine Ziele ja schon vorgenommen. Dein Unterbewusstsein will die jetzt auch erreichen.“ in einem Ohr, den Beitrag von Pia von malmini.de im anderen Auge, habe ich meine Ziele also gestrichen, in der leisen Hoffnung, dass sie sich trotzdemeinfach“ erfüllen und ich mich auf dem Weg dahin nur noch auf den Weg dahin konzentriere.
„Einfach machen“, einfach das machen, was mich glücklich macht, lautetet das Kredo. Dann schauen wir doch mal, ob ich das auch gemacht habe.

Meine Ziele für 2015 waren:

1. (Mehr) Abstand zu negativen Leuten bekommen.

Witziger Weise kann ich sagen, dass sich das tatsächlich erfüllt hat. Zum einen durch aktives physisches Abstand halten zu negativen Menschen, zum anderen, größeren Teil aber dadurch, dass ich in mir selber mehr Abstand zu den negativen Emotionen anderer aufgebaut habe, weil es einfach nicht immer möglich ist, physischen Abstand zu Leuten halten zu können.
Bei diesem Ziel würde ich also sagen: halb Unterbewusstsein, halb einfach gemacht.

2. Mich mehr bewegen bzw. Sport machen.

Dieses Bedürfnis ist nicht nur ein reines Kopfziel, sondern tatsächlich mittlerweile auch ein reales körperliches Bedürfnis geworden. Ausgelöst durch meinen „Komfortzonen-Boykott“ und unschönen Begegnungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich letztes Jahr auf Rad und Fuß als Hauptbewegungsmittel umgestiegen. Nach einer Winter bedingten Pause bin ich aber wieder in alte Muster zurückgefallen, was ja ziemlich gut ist (Gewohnheit ist alles… ohman).
Eine richtige „Sportart“ habe ich allerdings nicht angefangen. Hm.
Hier würde ich sagen: Halb verfehlt, halb einfach (wieder weiter) gemacht.

3. Nur noch 1 Tag / Woche Fleisch essen.

Absoluter Fail. Wobei da auch die Tücke im Detail steckt: Ein Tag in der Woche ist ein konkretes Ziel mit Maßeinheit. Das Erreichen der Maßeinheit setzt doch Planung voraus, oder? Von daher: voll verfehlt, einfach machen ging nicht.

4. Noch weniger Müll produzieren, vor allem noch weniger Plastikmüll.

Ist in meinem Bewusstsein, aber einen enormen Rückgang meines Müllaufkommens kann ich nicht ausmachen. Konkret etwas planen, um dem Müll entgegenzuwirken, wollte ich ja nicht („einfach machen“ war das Kredo, nicht planen!) und habe ich auch nicht. Darum hat sich nur minimal etwas verändert. Also: ohne Plan auch hier wenig (messbares) Resultat.

5. Ich möchte mehr Bücher lesen, Hörbücher hören, Filme gucken und ins Kino gehen.

Weder das eine, noch das andere gezielt mehr gemacht. Die Male allerdings, in denen ich im Kino war, waren spontan und ungeplant und haben so irgendwie mehr Spaß gemacht. Also: Voller Erfolg? Naja, so halb zumindest. ;)

6. Früher aufstehen.

Ach, was soll ich sagen? Das wird im Leben nichts mehr mit mir alter Nachteule. ;D Und ich muss dazu auch noch sagen: DAS habe ich mir sogar immer und immer wieder vorgenommen – und trotzdem nicht geschafft. Also im Grunde doppelt verfehlt, oder was meint ihr?! ;D

7. 1 DIY Projekt / Monat.

Nö. Konnte mich bis heute sogar gar nicht mehr daran erinnern, dass ich das ursprünglich auf meinem Zettelchen stehen hatte. Mehr Fotografieren tue ich, beim Bloggen geblieben bin ich. In dem Rahmen bin ich kreativ unterwegs (ohje, hoffentlich seht ihr das auch so?! :-O ). Darüber hinaus: Upsi. Verfehlt.

8. Endlich (m)ein Buch schreiben.

Tja. Da muss ich schon wieder ein wenig schmunzeln. :) Das eigentliche Buchprojekt ist es nicht geworden. Allerdings bin ich durch meinen Beitrag „Lesen kann glücklich machen“ zu etwas ähnlichem gekommen, was ich auch schon immer gerne machen wollte. Auf Instagram hatte ich kurz schon einen kleinen Einblick gegeben. Bis dann das hier passierte:

Und an dem Tag hatte ich echt viel geschafft. Aber wer weiß, wozu es gut war. Mein Sommerurlaub steht ja noch vor der Tür und mit ihm dieses Jahr zwar weniger Zeit als sonst im Urlaub, aber immer noch mehr Zeit als zzt. im Alltag. :) Also: Nichts geplant, einfach gemacht.

Mein Resümee zu „Neujahrsziel 2015: keine Ziele“

Bis ungefähr März habe ich mich tatsächlich ziemlich unwohl mit dieser für mich ganz ungewohnten Situation, so ganz ohne Ziele zu sein, gefühlt. Danach ging es ganz gut, ich habe mich tatsächlich sogar kurzfristig „befreit“ gefühlt.
Bis ich mein Ziel, mir keine Neujahrsvorsätze vorzunehmen, aus den Augen verloren habe. ;D
Meine Dosis Ziele habe ich mir dann anderweitig geholt, in Form von Monats- und Wochenzielen.
Mein Unterbewusstsein weiß schon, was es will. ;D In der Hinsicht hat mein Eltern-Mensch also mit der Vorhersage Recht behalten. ;)
Und auch ein paar meiner ursprünglichen Neujahrsziele, die ich mir dann ja nicht mehr explizit vorgenommen hatte, habe ich trotzdem (halbwegs) umgesetzt.

Das, was ich nicht „geschafft“ habe, fehlt mir allerdings auch nicht.

Stattdessen genieße ich meine gefühlt gesteigerte Priese „Freiheit“, die ich ohne meine „erdrückenden“ (Neu)Jahresziele gewonnen habe und die ich ohne mal einen anderen Weg auszuprobieren wohl nie kennen gelernt hätte.

„Leben ist das, was passiert,
während du eifrig dabei bist,
andere Pläne zu machen.“
John Lennon

Und genau aus dem Grund passt es besser zu mir, mir jeden Monat anhand der Gegebenheiten etwas Neues vorzunehmen. Außerdem gibt mir das die Chance, rechtzeitig eine andere Richtung auf meinem Weg einschlagen zu können und nicht erst nach 12 Monaten festzustellen, dass ein Ziel einfach nicht mein Ziel war.

Darum bleibe ich beim Ziele machen.

„Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben […].“
Christian Morgenstern

Allerdings finde ich es zusätzlich hilfreich und wichtig, sich wie Gretchen Rubin und Benjamin Franklin übergreifende Gedanken darüber zu machen, in welchen Lebensbereichen man eigentlich was erreichen möchte. Darum gilt nach wie vor mein Lesetipp für euren Urlaub. Nur kleinschrittiger führt manchmal eben eher (oder näher) zum Ziel. :)

Was ist denn aus euren Neujahrsvorsätzen geworden? Habt ihr in der ruhigen, entspannten Urlaubszeit auch ein „erhöhtes Aufkommen“ ;) an „Gedanken über das Leben“?

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5 Comments

  • Reply
    Naomi {Fräulein Famos}
    5. Juli 2015 at 15:57

    Ich probiere mich jetzt seit zwei Jahren an der Methode, wo man ein Wort für das bevorstehende Jahr auswählt, was bei mir auch mal gut, manchmal aber auch weniger gut funktioniert. In jedem Fall tut sich mein Gedächtnis leichter damit, sich ein Wort anstelle einer ganzen Liste zu merken… ;) Ich glaube, es gehört immer auch ein bisschen Geduld und eben auch die Erkenntnis, dass etwas für einen selbst eben doch nicht funktioniert, dazu, um am Ende das zu finden, womit man gut zurecht kommt.
    Mir fällt immer auf, dass ich mich nach dem ganzen Weihnachtsstress (und vorher erst recht) noch gar nicht so recht in der Lage fühle, irgendwelche Intentionen oder Vorsätze zu formulieren, oder schon wieder irgendwas machen zu müssen. Da hält dieses schöne „alles neu, alles möglich“-Gefühl meist kaum über den Neujahrstag hinaus. Darum hatte ich mir dieses Jahr den Januar über Zeit gegeben, herauszufinden, was ich von und in diesem Jahr möchte. Das war etwas, was ich zukünftig definitiv wieder machen werde, denke ich.
    Und was die kleinen Schritte angeht (letztlich sind Zwischenziele ja nichts anderes): Ich glaube fast, da kommt man nicht drumherum, dass unser Gehirn einfach so auf systematisches Denken gemünzt ist. Auch Gretchen Rubin setzt bei ihrem Happiness Project ja auf ein nach-und-nach und versucht nicht, alle Bereiche auf einmal umzukrempeln. :)
    Hab einen schönen Rest-Sonntag!
    Liebe Grüße, Naomi

    • Reply
      The Organized Cardigan
      5. Juli 2015 at 16:49

      Hallo liebe Naomi,
      vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
      Geduld könnte das Wort des Jahres für mich sein ;) Neben der Geduld finde ich es auch wichtig, sich überhaupt mal Zeit dafür zu nehmen, ein bisschen zu „reflektieren“. Sonst bemerkt man fehlleitende Abzweigungen auf dem eigenen Weg nicht. Und die Zeit zum Ende oder des Jahres finde ich auch immer „unpassend“. Da verbringe ich in der Regel immer viel Zeit mit Familie und Freunden und habe wenig Ruhe zum Nachdenken (was mich nicht stört).
      Wie machst du dass dann mit dem Wort für´s Jahr? Koppelst du das noch an irgendwelche Aktionen, die du dir vornimmst?
      Und du hast das Buch gelesen, yay! :) Ja, dieses Schritt für Schritt begegnet einem immer wieder. Wobei ich sagen muss, ihr Pensum war auch schon echt ordentlich… *puh*. :) Da ist ein Wort deutlich entspannter und wahrscheinlich auch realistischer, oder? Hattest du mal Gretchens Methode ausprobiert?
      Hab du auch noch einen schönen Sonntag!
      Ganz liebe Grüße zurück, Sunray

  • Reply
    Organisation mit Sabine
    5. Juli 2015 at 16:47

    Ziele sind super – aber mit heiterer Gelassenheit gesteckt! Was wissen wir schon, was uns gut tut!? Deshalb nehme ich mir an Neujahr nur vor, was schön wäre zu schaffen. Aber, wenn es anders kommt …

    Die Athabascan (aus Alaska) sagen es so: „Understand and adapt to what live brings – you cannot control many things.“ Das ist doch sehr entspannend, und plötzlich geht vielleicht auch, was man schon lange möchte ;-).
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Reply
      The Organized Cardigan
      5. Juli 2015 at 17:00

      Liebe Sabine, ja, mit Verbissenheit kommt man in der Regel wenig vom Fleck. ;)
      Gelassenheit muss man manchmal erst üben und auch, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Ich habe ganz oft das Gefühl, dass besonders naturverbundene Menschen in der Hinsicht deutlich entspannter und gelassener das Leben nehmen.
      In diesem Jahr habe ich auch bei mir gemerkt, dass Loslassen manchmal mehr bewirkt als „aktives Formen“ wollen. ;) Und es ist für alle Beteiligten wesentlich entspannter. ;D
      Liebe Grüße zurück und hab einen schönen Rest-Sonntag!
      Sunray

  • Reply
    2016 – Neues Jahr, neue Pläne | The Organized Cardigan
    30. Dezember 2015 at 20:02

    […] möchte ich daher wieder mit dem Versuch starten, etwas mehr Ausgeglichenheit ((m)ein Ziel) in alle meine Lebensbereiche zu bringen. Meine […]

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