Haushalten mit einem Haushaltsbuch

Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?

In meinem vorherigen Leben war ich wahrscheinlich mal ein Bankdirektor oder Eichhörnchen, ansonsten kann ich mir mein Vergnügen am „Geld verwalten“ und meinen hortenden Umgang mit Geld nicht erklären.
Es ist nicht so, dass ich mir oder anderen nie etwas kaufe oder gönne. Ganz im Gegenteil. ;) Ich mache das nur noch lieber, wenn ich es mir auch leisten kann.

Haushalten mit dem Haushaltsbuch_TOC

Und damit ich auch weiß, was ich mir (oder anderen) wann leisten kann, habe ich vor gut zwei Jahren mit dem konsequenten Führen eines Haushaltsbuches angefangen. Das war zwar nicht das erste Mal, dass ich das versucht habe, aber erst beim letzten Mal habe ich es kontinuierlich umgesetzt.

Schon oft hatte ich bis dato mit ausgefeilten Exceltabellen, Apps oder „professionellen“ Haushaltsbüchern aus dem Einzelhandel oder von der Bank immer wieder den Versuch unternommen, meine Ausgaben festzuhalten um ein bisschen besser zu verstehen, wo eigentlich jeden Monat mein Geld so hinfließt.
Jedes Mal startete ich euphorisch, notierte akribisch und voller Eifer ein, zwei Wochen lang jede kleine Ausgabe, fing dann an, ein, zwei Einträge zu vergessen, fiel zwei, drei Wochen mit meinen Einträgen zurück und gab letztlich immer wieder auf. Extra den PC jeden Abend hochfahren oder das „professionelle“ Haushaltsbuch ausfüllen, in aller Öffentlichkeit nach jedem Einkauf in einer App Einträge vornehmen bzw. sich später an alle einzelnen Posten erinnern – irgendwie waren all diese Systeme nicht meine Systeme und so blieb ich mit ihnen nie am Ball.

Schlicht besticht

Vor zwei Jahren wollte ich einen erneuten Versuch starten (ich glaube, ich war wohl doch eher ein Eichhörnchen in meinem früheren Leben – die sind doch auch so hartnäckig, oder?! ;D ) und nahm das erstbeste, was mir in die Finger fiel: ein kleines, altes Notizbbüchlein, was bis dato in einer Schublade auf seinen Einsatz wartete.

In diesem einfachen Heft mit karierten Seiten fing ich ab dem Tag an, mir täglich (und meistens sehr akribisch) zu notieren, wann ich mit welchen Einnahmen – wie zum Beispiel Gehalt, Anteil der Miete vom Freund – rechnen konnte, wann und in welcher Höhe Miete, Strom und Versicherungen von meinem Konto abgingen und wie viel Geld ich für Zeitschriften, Eis, Bus, Klamotten ausgegeben oder in den Drogerien gelassen hatte.
Drei Spalten – wann, was und wie viel – reichten dafür aus. Und erstaunlicher Weise habe ich mit diesem vollkommen unspektakulären System ein ganzes Jahr relativ lückenlos durchgehalten.

Ich war anscheinend in meinem früheren Leben ein leicht verschwenderisches Eichhörnchen. ;) Bereits ein paar Wochen nach dem Start haben mir meine kontinuierlichen Aufzeichnungen schon deutlich und schonungslos aufgezeigt, wofür genau ich mein Geld ausgegeben hatte:  Hier einen Kaffee in der Stadt, dort eine Kleinigkeit zum Essen, dann noch eine Fahrt mit dem Bus, und „Den Rot-Ton habe ich in meiner Nagellacksammlung doch ganz sicher noch nicht!“. Mein kleines Haushaltsbuch hat mir all diese kleinen „unsichtbaren“ Nebenbei-Ausgaben verdeutlicht.
Und mir so die Wahlmöglichkeit eröffnet, ob ich weiterhin mein Geld für all die flüchtigen Kleinigkeiten, die meist ohne langfristigen „Gewinn“ waren, ausgeben, oder ob ich mein Geld nicht lieber bewusst einsetzen möchte:
Mich bewusst mit der Freundin in einem Café treffen und einen Kaffee trinken oder ein Eis essen.
Lieber mal zu Fuß nach Hause spazieren, das Geld für die Busfahrkarte sparen und zusätzlich etwas für die Gesundheit tun.
Die bereits vorhandenen Nagellacke erst einmal aufbrauchen, bevor ich mir den 10. roten kaufe und zusätzlich nicht weiß, wo ich sie eigentlich alle verstauen soll.
Kostenlos eine Runde auf Pinterest drehen, statt die 5. Zeitschrift für den „noch-zu-lesende-Zeitschriften-Stapel“ kaufen, der mich vorwurfsvoll anstarrt.

Am Ende jeden Monats habe ich mir meine Notizen angeschaut und meine Ausgaben nach Kategorien geordnet zusammengezählt. So erhielt ich einen weiteren Überblick, in welchen Kategorien (zum Beispiel „Kosmetika“ oder „Außer-Haus Essen und Trinken“) ich die meisten Ausgaben hatte. Dies erleichterte mir, gezielter meine Ausgaben in diesen Kategorien zu reduzieren (natürlich nur, sofern ich sie für „einsparenswert“ hielt).

Gewinn und Zinsen

Nach einem Jahr Haushaltsbuch führen (glaubt mir – ich war selber ganz erstaunt, als ich diesen Zeitraum realisierte! :D ) hatten sich bei mir deutliche Konsumveränderungen eingestellt: Zeitschriften kaufe ich gar nicht mehr, ebenso kaufe ich keine Kosmetikartikel mehr, die ich nicht wirklich brauche (und sowieso nicht vertrage; ausführlicher habe ich über mein nicht-mehr-Kaufverhalten in Drogerien in dem Beitrag „Organized and Minimized: Unter der Dusche“ geschrieben). Außer-Haus-Essen genieße ich jedes Mal bewusst und mit Freunden, statt mir aus Not und schlecht geplantem Tagesablauf ein (überteuertes) belegtes Brötchen aus dem Laden an der Ecke im Gehen in den Mund zu schieben.

Nach diesem einen Jahr schwimme ich zwar nicht wie Dagobert Duck in Geld, aber ich habe ein gutes Gefühl für meine Ausgaben und mein Konsumverhalten bekommen.
Und das habe ich auch immer noch, obwohl ich nach dem Jahr aufgehört habe, mein Haushaltsbuch weiter zu führen. Ich gebe mein Geld mittlerweile deutlich bewusster aus, meistens seltener für mich oder aber für Urlaub, öfter und gerne aber auch für andere, was mir viel Spaß und Freude bereitet, anderen eine Freude zu bereiten.

Zu öde? – Das Spiel mit den Alternativen

Ihr habt partout keine Lust, ein „olles und spießiges“ ;) Haushaltsbuch zu führen, egal ob analog oder digital? Und mit Geld spielt man nicht? Dann spielt doch einfach mal mit ein paar Alternativen, mit denen ihr „HerrIn eures Geldes“ werden könnt.

Eine Freundin von mir hat zum Beispiel in ihrer Familie ein System mit mehreren Briefumschlägen eingeführt. Jeder Briefumschlag beherbergt einen abgezählten Betrag für jede Ausgabenkategorie, die in ihrem Haushalt vorkommt und die sie bar bezahlt: Zum Beispiel Lebensmittel, Drogerieartikel, kleine Aufmerksamkeiten für das Kind, Taschengeld für sich selber, einen Sparumschlag für eventuell notwendige Reparaturen oder Geburtstagsgeschencke etc. Die Kategorien können für jeden ganz individuell sein, ebenso, welcher Betrag in jeden Briefumschlag wandern kann.

Generell finde ich, bekommt man ein besseres Gefühl für seine Ausgaben, wenn man bar bezahlt, statt eine Plastikkarte zu zücken. Ganz einfach lässt sich das ausprobieren, indem man ein, zwei, drei Monate lang einen definierten „Taschengeld“-Betrag am Monatsanfang vom Konto abhebt, in sein Portemonnaie packt und den Rest des Monats versucht, damit auszukommen.
Die Plastikkarten-Variante hingegen birgt den Vorteil, dass bei ihrem kontinuierlichen Einsatz automatisch eine Art Haushaltsbuch in Form von Kontoauszügen erstellt wird. Diese Variante würde ich persönlich jedoch nur nutzen, wenn mich die Buchungen nichts kosten. ;)

Geduld zahlt sich aus

Wenn ihr euch in der Situation befindet, regelmäßig ein bisschen Geld sparen zu können, bietet sich zum einen die Briefumschlag-Variante an: Alles, was am Monatsende auf dem Konto übrig geblieben ist, wandert dort hinein. Das ist natürlich nicht unbedingt diebstahlsicher.

Eine digitale Variante dieses Briefumschlags kann zum anderen ein extra Konto sein, auf das ihr entweder – wie eben beschrieben – jeden Monatsende euren Überschuss überweist oder aber bereits „vorbeugend“ via Dauerauftrag jeden Monatsanfang einen Betrag einzahlt. Wenn ihr dafür zum Beispiel ein Tagesgeldkonto nehmt, bekommt ihr vielleicht sogar noch ein paar Zinsen am Jahresende. Und wie ihr euch sicherlich denken könnt: Auch hier würde ich persönlich zu einem kostenlosen extra Konto greifen oder aber mich von jemandem anwerben, und mir den Bonus gemeinsam schmecken lassen. ;D

Wie gebt ihr euer Geld aus? Unkontrolliert und in vollen Zügen oder akribisch abgezählt? Nutzt ihr noch andere Methoden, mit denen ihr euer Geld im Auge behaltet oder kennt weitere Methoden, die ihr aber nicht nutzt? Oder spricht man über Geld nicht?

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13 Comments

  • Reply
    Ann-Kathrin Lumpe
    17. Mai 2015 at 18:40

    Vielen dank, dass du ganz bewusst mit mir in der Mensa mampfst und danach noch auf einen Kaffee gehst. Ich führe seit etwas mehr als einem Jahr eine Haushaltstabelle via Excel, die ich auf meine Bedürfnisse abgestimmt habe. Als Alleinverdiener finde ich es spannend für was das Geld so über den Tisch wandert. Schnell wurde ich sensibilisiert was für Kosten ich jeden Monat fix habe und welche ich so flexibel gestalten kann. Krieg ich noch etwas an den Heizkosten gedreht? Brauche ich das 45ste Kleid wirklich? Muss der Lamacun wirklich sein oder kann ich nicht etwas selber kochen? Dafür sensibilisiert weiß ich jetzt für was ich wirklich Geld ausgeben möchte, und vor allem wieviel.
    Das sammeln von Quittungen ist schon zur Routine geworden, auch wenn es aus nachhaltigen Gründen besser wäre, sich keine ausdrucken zu lassen. Da wo es keine gibt, springt meine Kalender mit seinen Notizseiten ein.

    • Reply
      The Organized Cardigan
      22. Mai 2015 at 10:04

      Hi! :)
      Ja, das mit den Quittungen hat mich auch immer zwiegespalten. Du nutzt also auch eine elektronische Variante. Hm. Ich scheine da recht „oldschool“ zu sein, wie? ;D Wo die Vorlieben halt so hinfallen.
      Meine gleiche Frage wie an Nicole: Hast du vorher auch mal anderen Variante ausprobiert oder bist du ohne Umwege bei deiner Exceltabelle gelandet?
      LG!

  • Reply
    Nicole
    19. Mai 2015 at 17:50

    Hihi, ich führe auch ein Haushaltsbuch, allerdings ein elektronisches. Das ist das Gute daran, wenn der Liebste Informatiker ist: Brauche ich etwas, schreibt er mir einfach ein entsprechendes Programm! Davon habe ich jetzt schon eine Menge. Find ich super!

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Reply
      The Organized Cardigan
      22. Mai 2015 at 10:01

      So ein Informatiker ist ja wirklich „nützlich“ ;D
      Auch hihi! :) D.h., du führst dein Haushaltsbuch am PC, richtig? Hast du denn auch mal andere Varianten ausprobiert oder stand deine Vorliebe für die elektronische Version von vorneherein fest?
      Ganz liebe Grüße zurück! Sunray

  • Reply
    Organisation mit Sabine
    23. Mai 2015 at 9:55

    Ich habe auch schon mehrere Anläufe gemacht. Aber nur, wenn das Geld richtig knapp war habe ich durchgehalten. Mit einem einfachen Notizbuch – wie du es beschrieben hast. ;-) Inzwischen zahle ich die meisten Ausgaben mit EC-Karte und habe so einen Überblick über meine großen Ausgaben auf dem Kontoauszug. Das eignet sich aber sicher nur für „Disziplinierte“.

    Noch ein Vorteil: Wer mal eine Weile ein Haushaltsbuch geführt hat, der denkt auch später eher über Ausgaben nach. Die „sparsame Denke“ bleibt.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Reply
      The Organized Cardigan
      30. Mai 2015 at 15:00

      Liebe Sabine,
      da stimme ich dir absolut zu: Die sparsame Denke ist auf jeden Fall auch bei mir geblieben und im Kopf kalkuliere ich oft an der Kasse meinen aktuellen Kontostand ;D
      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße!

  • Reply
    Nina
    25. Mai 2015 at 8:00

    Liebe Sunray,
    auch ich führe ein Haushalts & Konten- Buch aber auch elektronisch. Die manuelle Variante war irgendwie nichts für mich, wobei es tatsächlich schneller ginge als den PC erst hochfahren zu müssen.
    Ich sammle die Quittungen einige Tage, notiere mir alles (wofür hat man für alles ne App gell?) und 1x die Woche, manchmal auch mehrmals, trage ich alles ein.
    Die Datei erstelle ich mir Anfang des Jahres für das ganze Jahr im voraus inkl Kontobewegungen. Verrückt, ich könnt mir ja auch einfach die Auszüge ansehen…aber ich hab lieber alles in einem.
    Wirklich was an meinem Konsumverhalten hat es allerdings, zugegebenerweise, bisher nicht groß verändert, ausser dass ich mir keine Zeitungen mehr kaufe und alle Abos abbestellt habe, ich glaub das wars aber auch schon.
    Dennoch ist es immer gut einen ordentlichen Überblick zu haben.
    Liebe Grüße Nina

    • Reply
      The Organized Cardigan
      30. Mai 2015 at 15:04

      Liebe Nina,
      das mit einem Überblick über alles fand ich an meinem Notizbuch auch super und für mich besonders ansprechend.
      Das mit der App finde ich bewundernswert: ich habe mich das in der Öffentlichkeit nie getraut (blöd eigentlich, oder?) und einmal die Woche hat bei mir nie funktioniert, ich brauchte meine tägliche „Dosis“ Disziplin, um am Ball zu bleiben.
      Interessant, dass es echt viele gibt, die ein Haushaltsbuch führen! Danke für deinen Beitrag!
      Liebe Grüße!

  • Reply
    Organize Your Money – Finanzen im Griff (mit kostenlosen Freebies für Sparfüchse) | The Organized Cardigan
    27. September 2015 at 8:31

    […] der Umsetzung es gibt und welche Erfolge ich damit erzielt habe, darüber habe ich in „Haushalten mit einem Haushaltsbuch“ […]

  • Reply
    Aufgeräumt in 2016 – Woche 2 | Bücher & Zeitschriften | The Organized Cardigan
    18. Januar 2016 at 16:30

    […] und 9 Jahre (!) alte, ungelesene Bücher zum Vorschein gebracht habe und mit dem Start des Führens eines Haushaltsbuches, fallen meine Ausgaben für Zeitschriften und Bücher seit dem ziemlich gering aus – und […]

  • Reply
    Andy
    13. Januar 2017 at 23:33

    Haushaltsbuch führe ich auch. Hier mein Tipp gegen Konsumwahsinn: Ich habe ein extra Portemonnaie für meine Kantinenbesuche. Jede Woche kommen dort 25€ hinein, mit denen ich auskommen muss/will. Wenn davon etwas übrig bleibt, spare ich das weiterhin in diesem Portemonnaie an und kann mir dann nach ein paar Wochen etwas Schönes für mich leisten!:) Und wenn man schon eine Idee hat, was das sein soll, geizt man um so mehr beim Nachtisch..oder lässt das Essen ganz ausfallen, wenn der Hunger nicht so groß ist….was dann wieder der Figur zu Gute kommt. Ein weiterer Vorteil ist die Vorfreude darauf und die Wertschätzung solcher Teile. Sie sind ja sozusagen „vom Munde abgespart“:) Andererseits fallen diese Ausgaben nicht weiter ins Gewicht, da das Kantinengeld bereits in der Monatsplanung enthalten ist.

    • Reply
      Sunray
      18. Januar 2017 at 14:07

      Hallo Andy!
      Auswärts Essen ist definitiv ein Posten, der ein großes Loch ins Portemonnaie reissen kann. Daher eine super Idee von dir, dafür ein extra „Konto“ anzulegen (wobei man an gesundem Essen nie sparen sollte!) und vielen Dank für dein Kommentar! :)

      • Reply
        Andy
        21. Januar 2017 at 22:06

        Hallo Sunray, wer sagt denn, dass ich an gesundem Essen spare? Nicht jede Kantine bietet überteuertes, ungesundes Essen an. Bei uns in der Firma wird jeden Tag zumindest ein gutes vegetarisches Essen angeboten! Das hat meiner Meinung nach nichts mit Sparen an gesundem Essen zu tun! Aber natürlich sieht das jeder anders…

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