Neujahrsvorsatz 2015: Keine Ziele?

Dieses Jahr wollte ich es anders machen. Wenige sollten es sein. Und über diese Wenigen habe ich nicht erst im Dezember nachgedacht.

Meine ursprünglichen Ziele für 2015 waren:

1. (Mehr) Abstand zu negativen Leuten bekommen.

Maulige Miesepeter gab es schon immer und wird es immer geben. Das wird sich nicht ändern. Und das werde ich nicht ändern. Was ich aber ändern kann, ist, mich über sie zu ärgern, mir den Tag dadurch zu vermiesen und ihnen mehr Platz einzuräumen, als ihnen zustehen sollte. Darum möchte ich sie erst gar nicht mehr so nah an mich ran und in mein Leben lassen, als dass ich mich dann wieder aktiv „abregen“ muss. (Das nächste Ziel wäre, über sie zu lachen und mich über ihren Ärger zu amüsieren. ;) Das wäre für mich die „Königsdisziplin“. Aber ein Schritt nach dem anderen.)

2. Mich mehr bewegen bzw. Sport machen.

Ich habe einen Bürojob. Und einmal in der Woche 1,5 Std. Yoga gleicht das NICHT aus. Ich habe es bereits Ende 2014 geschafft, fast jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit zu fahren (bis zu einer Erkältung im Dezember, und danach wurde das Wetter „unkomfortabel“ ;) ). Hier möchte ich gerne wieder ansetzen. Aber darüber hinaus möchte ich mich gerne noch bewusster mehr bewegen, zu Fuß gehen, spazieren gehen, meine anderen Muskeln im Körper bewusst einsetzen und nutzen.

3. Nur noch 1 Tag / Woche Fleisch essen.

Ich esse Fleisch und das tue ich zu meinem eigenen Leidwesen gerne. „Zu meinem eigenen Leidwesen“ deshalb, weil ich auch oft deshalb ein schlechtes Gewissen habe. Auch wenn ich meinen Fleischkonsum bereits mit preisintensiveren Produkten und oft auch von der Frischetheke decke – wegen mir kommen doch noch immer viel zu viele Tiere um. Ganz verzichten möchte ich aber auch nicht. Darum kam mir die Idee einer Bekannten sehr gelegen, die schon vor einiger Zeit aus den gleichen Gründen und mit den gleichen Bedürfnissen wie ich ihren Fleischkonsum auf ca. 1 Tag in der Woche reduziert hat.

4. Noch weniger Müll produzieren, vor allem noch weniger Plastikmüll.

Mein 2 Personenhaushalt produziert einen kleinen Sack Restmüll innerhalb einer Woche und einen kleinen Werstoffsack (Gelber Sack für Verpackungsmaterialien mit dem grünen Punkt) innerhalb von zwei Wochen. Biomülltonnen werden bei uns im Haus leider nicht angeboten, weshalb wir den Biomüll mit dem Restmüll entsorgen. Ich fand meine Müllproduktion schon ganz gut. Bis ich vor einiger Zeit in der Gemüseabteilung meines Stamm-Lebensmittelladens vor einer Bio-Gurke stand, die vollständig in Plastik eingeschweißt war. ?! Gurkensalat gabs an dem Abend nicht. Aber Gedanken darüber, wie ich noch mehr Verpackungsmüll vermeiden kann. Wahrscheinlich wird mich dieses Ziel mehr auf den Wochenmarkt treiben und kreativ bei der Suche nach Produktalternativen werden lassen! Da freue ich mich schon drauf! :)

5. Ich möchte mehr Bücher lesen, Hörbücher hören, Filme gucken und ins Kino gehen.

All dies liebe ich. Schon immer. Seit ich Kind bin.
Seit ich Arbeitnehmerin bin, mache ich all dies nur noch extrem selten. Und DAS macht mich nicht glücklich. Und unglücklich sein liebe ich nicht. So einfach ist das. Hoffentlich.

6. Früher aufstehen.

Ich bin eine Nachteule und konnte frühes Aufstehen schon zu Schulzeiten nicht leiden. Zur Zeit ermöglicht mir mein Arbeitsverhältnis flexible Arbeitszeiten. Nach langen Jahren des frühen Aufstehens genieße ich dies natürlich sehr und nutze es auch. Leider „klaut“ mir mein spätes Aufstehen natürlich auch einen Teil meiner Tages-Zeit. Wodurch ich nicht mehr all das schaffe, was ich gerne schaffen will (und diese Liste kürzen ist keine Lösung). So schlimm es mir im Moment auch erscheint, die momentane Lösung scheint das frühere Aufstehen zu sein. Neulich habe ich das schon eine Woche lang ausprobiert und war erstaunt, was mir eine Stunde morgens für den gesamten Tag bringt. Davon möchte ich jetzt mehr haben.

Die Ziele Nr. 7 und 8. sehe ich im Moment eher skeptisch bzw. als optionale Ziele. Es wäre schön, wenn ich sie umsetzen könnte. Aber wenn ich realistisch meine zur Verfügung stehende Zeit nächstes Jahr betrachte… So früh kann ich gar nicht aufstehen, als dass ich das alles schaffen könnte. ;D Trotzdem liste ich sie hier mit auf, der Vollständigkeit halber:

7. 1 DIY Projekt / Monat.

In meinem Bürojob arbeite ich vorrangig mit meinem Kopf. Daher schätze ich seit einigen Jahren kreative Handarbeiten als Ausgleich. Selbst meinen „Zwang“, dass alles immer einen Sinn haben/machen muss, konnte ich darüber ablegen und häkle oder bastle nun einfach um des Machens willen, habe Spaß dabei und freu mich an den Resultaten, die ich mit meinem eigenen Händen erschaffen habe.

8. Endlich (m)ein Buch schreiben.

Ein Buch möchte ich schon seit ca. 5 (?) Jahren schreiben. Die Themen variierten über die Zeit bis zum letzten Sommer. Im Schwedenurlaub kam mir eine Idee zur einer Figur, die mich seit dem nicht mehr loslässt und die ich gerne mal zum Leben erwecken würde. Vielleicht kann ich ja einfach jeden Tag ein bisschen was schreiben und am Ende des Jahres habe ich das Buch fertig?

Das waren meine ursprünglichen Ziele für 2015.
Am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages jedoch saß ich mit einigen lieben Eltern-Menschen am Eßtisch und fragte so in die Runde, was sie sich denn für das neue Jahr vorgenommen hätten. Mit einer Mischung aus Verdutzen und Selbstverständlichkeit wurde mir daraufhin berichtet, dass sie sich allesamt Nichts vorgenommen haben. Wie immer. Sie hätten sich noch nie im Leben was zu Sylvester vorgenommen. Das Leben käme sowieso immer anders, wozu sich dann also etwas vornehmen oder planen.

Diese Äußerung – mit ihrer Selbstverständlichkeit auch noch! – hat mich nachdenklich gemacht. Dazu fiel mir dass Zitat

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

von John Lennon ein. Ich liebe Pläne machen. Und ich halte mich selten an sie. Was mich lange an mir selber gestört hat, habe ich mittlerweile verstanden: Ich liebe das Kreativ sein – und bin gleichzeitig ein Sicherheitsmensch. Und so habe ich meine Pläne in Petto, quasi als Plan B oder Anker, sollte etwas / meine Kreativität ;) drohen, aus dem Ruder zu laufen.
Ich habe das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur, auch was meinen Tagesablauf angeht. Bin aber geradezu „allergisch“ gegen sämtliche Termin(-Zwänge). Was gerne mal dazu führt, das ich (gefühlt) „Nichts“ mache. Auch nicht das, was ich gerne mache, bzw. gerne machen würde.

Und so kam ich mit meinen Überlegungen letztlich zu: Neujahrsvorsatz 2015: Keine Ziele? und (wieder) zu einem Beitrag von Pia Mester von malmini.de, in dem sie auch das Thema „Ziele“ aufgreift und als „Gegen“-Anregung die Konzentration auf den Weg und nicht auf das Ziel mitgibt: „Schaffe dir ein System aus vielen kleinen Handlungen, um Großes zu erreichen.“. Eine vertiefende Erklärung hat sie dazu auch verlinkt. (Besonders der Absatz mit dem „Buch schreiben“ war für mich „erhellend“, siehe Punkt 8 meiner ursprünglichen Neujahrsvosätze.)

Neujahrsvorsatz 2015 also nicht „Keine Ziele“, sondern…einfach machen?

Ich schrieb eingangs, dass ich das mit den Neujahrsvorsätzen dieses Jahr mal anders machen wollte. Reduziert habe ich sie. Und war stolz darauf, nicht erst im Dezember über sie nachgedacht zu haben.
Nun, vier Tage vor Sylvester, schmeiße ich in gewohnter Manier meine Pläne über Bord und mache es mal ganz anders:

Als meinen einzigen Neuhjahrsvorsatz für 2015 plane ich, Nichts zu planen. Ich möchte einfach das machen, was mich glücklich macht. Und mir das nicht erst vornehmen.

Und was macht ihr so nächstes Jahr?

PS: Der eine liebe Eltern-Mensch meinte, ich kann das „Nichts machen“ jetzt nicht mehr schaffen, weil ich ja schon mal über das nachgedacht habe, was ich machen wollte und mein Unterbewusstsein jetzt bestimmt versucht, das auch zu erreichen. Ich bin gespannt, ob es im Grunde so einfach (gewesen) wäre, seine Ziele zu erreichen ;) .

PPS: Ein bißchen mulmig ist mir schon…

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3 Comments

  • Reply
    Nicole
    1. Januar 2015 at 18:31

    Was soll ich sagen: Das Zitat von John Lennon stimmt total. Ich wollte in meinem Urlaub in Ruhe meine liebsten Blogs lesen – und dann? Das Leben! ;-)

    Ich mache mir schon seit Ewigkeiten keine Vorsätze mehr (fürs neue Jahr). Mich behindern sie mehr, als dass sie helfen. Ich verspüre meist nur Druck dabei – wozu dann also.
    Ich nehme mir gerne fürs neue Jahr ein, zwei neue „Projekte“ vor, die ich aber auch wirklich durchziehen kann. Abstraktes lasse ich dabei sehr gerne außen vor.

    Demnach finde ich super, dass Du Dich einfach mal im neue Jahr „treibenlassen“ möchtest. Und nur keine Sorge: So schlimm ist das gar nicht. ;-)

    Wünsche Dir alles, alles Liebe für das neue Jahr.

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Reply
      The Organized Cardigan
      2. Januar 2015 at 16:35

      Liebe Nicole,
      ja, mein Urlaub verläuft auch irgendwie ganz anders, als ich es vor hatte, aber was solls: schön ist es auch so! :)
      Ich war schon etwas „unsicher“, so ganz ohne Plan ins neue Jahr zu starten. Ist für mich total ungewohnt. ABER: Ich habe mich tatsächlich mal so richtig entspannt gefühlt, an Sylvester und gestern, so ganz ohne Vorsätze-Druck, so wie du es auch beschrieben hast. Wenns weiter so gut geht: WARUM HABE ICH DAS NICHT SCHON FRÜHER SO GEMACHT?! ;D
      Ich werdes „weiter beobachten“ und möchte in drei Monaten oder so mal schauen, ob sich ein „Quartalsbericht“ darüber lohnt. :)
      Für dich auch alles alles Liebe meine Liebe! :)
      Sunray

  • Reply
    Neujahrsvorsätze – was ist aus ihnen geworden? | The Organized Cardigan
    5. Juli 2015 at 8:30

    […] Dezember letzten Jahres habe ich euch meine wohl geplanten Ziele für 2015 beschrieben. Mit dem Resultat, dass ich in einem Gespräch mit Eltern-Menschen auf die […]

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